Bedeutet nicht etwa wie engstirnige Kleingeister glauben könnten, den zur Ideologie erhobenen Hass auf Autofahrer eines Möchte-gern-Führerscheinbesitzers. Auch wenn man dies bei oberflächlicher Betrachtung des mitunter während dem Fahrradfahren gegen die Autofahrer schreienden Braebys bestätigt finden könnte.

Bei Braebys ist dieses Fortbewegungsmittel auf zwei Rädern das Symbol für die Bewegung, in der sich unsere gesamte Schöpfung vom Planet Erde an begonnen bis ins kleinste Atom hinein befindet. Nicht nur dass die Räder sich um sich selbst drehen, sie bringen das ganze Gefährt auch voran. Wichtig ist für ihn hier der aktive Aspekt: um ein Fahrrad zu bewegen bedarf es der willensgesteuerten eigenen Körperkraft – im Gegensatz zum passiven sich fahren lassen durch motorisierte Fahrzeuge. Originalzitat Braebys:
„Die Mensche wolles sich bequem mache. Das is ihr Unnergang!“

Eineinhalbjahrtausende nach Platon verwandelt Hildegard von Bingen im Mittelalter die Metapher des Organismus auf eigentümliche Weise: Der Kosmos erscheint als Welten-rad.

"Einen kreisenden Kreislauf hat dieses Firmament, als ein Gleichbild der Macht Gottes, die weder Anfang noch Ende hat, und niemand vermag zu erkennen, wo das kreisende Rad begänne, wo es ende. Die Gottheit ist in Ihrem Vorherwissen und Ihrem Wirken, gleich wie ein Rad, ein Ganzes, in keiner Weise zu teilen, weil Sie weder Anfang noch Ende hat und von niemandem begriffen werden kann; denn Sie ist ohne Zeit.

In den meisten Kulturen erscheint das Rad als Sonnensymbol bzw. auch als Bild des gesamten Kosmos, der sich in ständiger zyklischer Verwandlung und Erneuerung befindet. Die Sonne aber ist ein Urbild des Lebensaufganges aus dem Tode.

Das Sonnenrad bzw. das Weltenrad ist ein uraltes Symbol. Schon die Steinzeitmenschen ritzten es in ihre Felswände und wußten um die Heilkraft dieses Zeichens. Ursprünglich verbindet das Rad den Kreis der Sonne mit dem Kreuz, das ihn in vier Teile (dem zyklischen Jahreslauf) einteilt. Im indischen Raum ist es die Grundform des Mandalas als Urgestalt des Kosmos.

Die Kirchenväter greifen gerne die Symbolik des Rades in seiner Doppeldeutigkeit - als Zeichen der Beweglichkeit und Unruhe im positiven wie im negativen Sinn - auf. Der hl. Augustinus betet in seiner Auslegung der Psalmenstelle 83,14 "Mach sie, mein Gott, dem Wirbelrade gleich", d.h. ändere ihre Gesinnung.

In der apokalyptischen Schau des Propheten Daniel beschreibt dieser die dynamische Gegenwart Gottes im Bild des feurigen Rades: Feuerflammen waren sein Thron, und dessen Räder waren loderndes Feuer. Ein Strom von Feuer ging von ihm aus. Dan 7,9f. Hier wird die Symbolik des Rades mit dem Bild des Feuers verbunden und somit gesteigert. Auch Daniel Schäfers Visionen sind apokalyptischer Art und erscheinen symbolhaft in beinahe jedem Bild, ja in beinahe jedem Gespräch, das er führt.

Was bedeutet genau Apokalypse.
Eine Apokalypse (griechisch: „Enthüllung”, "Offenbarung") Das Verbum „apokalyptein” heißt „aufdecken”, was zuvor verborgen war: nämlich die unvorhersehbare, endgültige Zukunft der Weltgeschichte. Apokalypsen beziehen sich meist auch auf konkrete historische Ereignisse: Sie schildern radikale innerweltliche Veränderungen in Metaphern des Weltuntergangs oder deuten sie geistlich, indem sie sich auf eine endzeitliche Äonenwende oder ein Endgericht beziehen.

So auch bei Daniel oder die vier Apokalyptischen Reiter als Symbole für Krankheit, Hunger, Krieg und Tod. Es heißt, dass sie am Ende der Welt über die Erde reiten und das verbreiten werden, wofür ihr Name steht.

Apokalypsen verwenden eine metaphorische und mythische Sprache: Konkrete historische Nationen, Personen und Ereignisse werden als Symbole und Bildmotive – häufig als „Tiere” – im Falle unseres Künstlers als „Autos“ beschrieben.

Der Autofahrer ist hier nicht einfach als Schimpfwort zu verstehen, sondern als Synonym für einen Menschen dessen Auto ebenso Statussymbol wie sein Haus, sein Beruf, seine Kleidung, seine Frau, sein Garten, sein Bankkonto sind. Für Braebys kurz gesagt: Götzenanbeter.

Unser ganzes gesellschaftliches Leben mitsamt seinen am Geld orientierten Verhaltensweisen ist für ihn ein Tanz ums goldene Kalb. Unter so vielen Kälbern ist es ihm da schon lieber ein Schaf zu sein. (für die, die es nicht wissen: B. ist in Frankreich geboren und brebis ist das französische Wort für Schaf) Sein eigentlicher Zuname „Schäfer“ spielt natürlich auch eine Rolle: der Hirte, der die Herde hütet. „Pastor“ im spanischen. Zumal die Vorsilbe brae aus dem griechischen stamm vielleicht von idg. *bhreg- - "brechen, krachen" und germ. *berhta abstammt, in mhd. berht und in engl. bright, vielleicht auch in nhd. "prächtig" weiterlebt, das bretonische Wort „bras“ = groß steckt darin,und nicht zuletzt eine Silbe der Ortsbezeichnung seines Heimatortes Brebach.
Brebis im englischen: A whining baby. Or someone who complains all the time. Also known as a Cry Baby.
Brae: Abhang, Gefälle (schottisch) Aber auch der hebräische Wortstamm bara für Erschaffen durch den Schöpfer steckt darin.

Brahma
Hinduistischer vierköpfiger und vierarmiger Schöpfergott und Lenker des Universums
„Nä!“ sagte Daniel vor einem Jahr mich zurechtweisen: „ich bin nur einer von dene Chefs im Universum“
Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.

Von George Bernard Shaw stammt dieser kluge Satz:
Ich möchte noch von Albert Einstein hinzufügen:
Glaube kann Berge versetzen. Fantasie versetzt ganze Welten.
Phantasie ist wichtiger als Wissen. Wissen ist begrenzt, Phantasie aber umfaßt die ganze Welt.
und
Das Schönste, was wir entdecken können, ist das Geheimnisvolle.

Interessant ist auch Braebys Schreibweise, Das F in Fahradfahrende… ist gleichzeitig das Eurozeichen und damit wird gleichzeitig n der Fortbewegung der Wert des Geldes gesehen, der einzige. Denn als Ziel allen Glücks, als Staussymbol, als Machtmittel verachtet der Künstler es und alle, die ihr Handeln davon leiten lassen. Nun heißt es aber doch Fahrradismus und die Endung „ismus“ deutet doch auf ein umfassenderes Denksystem hin. Das so entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in Geschichte, Wissenschaft oder Kunst. In Ideologien werden Grundideen als gegeben vorausgesetzt, mit denen die Hauptideen und weitere Ideen begründet werden. Da die Wahrnehmung der Welt Grundideen voraussetzt, ist im Grunde jegliche Aussage über die Realität ideologisch geprägt. Jemand wie Daniel, der diese Grundideen und der Grundkategorien, in denen wir denken radikal hinterfragt, ist demgegenüber eigentlich ein Ideologiekritiker.

Laut eigener Aussage verkündet er keinen Glauben, sondern berichtet mit einer Mischung aus Zorn und Entsetzen von einer Vision, die sich ihm vor Jahren offenbart hat. Den immer wiederkehrende Grundsatz seiner Denkweise und das außerordentliche seines Wesens möchte ich durch ein Originalzitat belegen:
„Wäsche was es bescht an mir is? Isch musss net rescht han!“
So spricht kein Ideologe!
Warum vertritt er dann aber so hartnäckig seinen Fahrraddismus?

Origianlzitat: „Das is ewe mei Weg, ich muss das mache und niemand kann mich davon abbringe!“

Zunächst einmal sollten wir wissen, dass Daniel Schäfer sich nicht nur als Künstler verstanden wissen will sondern auch als Mystiker und Prophet. Für die Menschen unserer Zeit ganz klar ein „Verrückter“, ein Mensch der Halluzinationen hat. Damit schützt man sich wirkungsvoll vor eigenen Denkprozessen mit eventuellen Konsequenzen für das eigene Handeln und nicht zuletzt davor in den Augen der lieben Mitmenschen selber als verrückt angesehen zu werden.

Daniel Schäfer, der übrigens selbst ein großer Goethe Fan und Kenner ist hält es da ganz konsequent mit einem Ausspruch des Dichters:
Was klagst du über Feinde?
Sollten solche je werden Freunde,
Denen das Wesen, wie du bist,
Im stillen ein ewiger Vorwurf ist? (Goethe)

Daniel formuliert dies meist so: „Die intressiern misch net, die solle mir aus der Hänn un aus der Fieß gehn!“

Ein kleiner Denkanstoss für alle diejenigen, die im Stillen denken „Spinner!“:
Halluzinationen sind Erlebnisse, welche die Psyche im Wachzustand produziert. Daher sind sie von mystischen Erlebnissen schwer unterscheidbar. Ob mystische Erfahrung nur eine Halluzination ist, lässt sich objektiv nicht klären.

Mystik (vom lateinischen mysticus: unbeschreiblich, unaussprechlich, geheimnisvoll) bezeichnet die Suche nach und die Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer höchsten Wirklichkeit.

Viele Berichte von mystischer Erfahrung betonen, dass kein Begriff und keine Aussage das Erfahrene auch nur annähernd beschreibt und so bedient sich Braebys bei der dem versuch der Vermittlung seiner apokalyptischen Visionen der allen bekannten Symbole: Auto, Kreuz, Lichtzeichenanlagen, Fahrrad und nicht zuletzt der Zahlen.

Mit Erstaunen stellen die Betrachter seiner Bilder immer wieder fest, dass sie um 1007 Jahre vordatiert sind. Daniel Schäfers Erklärung: er lebt unsrer Zeit um 1000 Jahre voraus und bei der Festlegung der Geburt Christi auf das Jahr null hat man sich wie inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen um 7 Jahre geirrt.

Der Kunstkritiker Dr. Berthold Schmidt, dessen Laudatio zu Braebys Sie hier in dieser Broschüre nachlesen können, ordnet Daniels Kunst der Art Brut zu.

Art Brut oder Outsider Art ist eine Bezeichnung für autodidaktische Kunstwerke, die abseits des etablierten Kunstsystems entstanden sind: zumeist von psychisch Gestörten, Medien, Gefangenen, Außenseitern oder einfach gesellschaftlich Unangepassten.

Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist der Begriff "Outsider Art (en)" (Roger Cardinal), "Visionary art", "Self-taught art" verbreitet.

In der Pariser Galerie René Drouin kam es zu Einzelausstellungen mit Werken u. a. von Adolf Wölfli und Aloïse Corbaz; 1949 wurden dort 200 Werke von 63 Urhebern unter dem Titel Art brut préferé aux arts culturels (Vorzüge gegenüber der kulturellen Kunst) präsentiert. Im Katalog definierte er Art Brut als subversive, alternative Kunstform abseits der erstickenden "kulturellen Künste". In diesem als Manifest konzipierten Text betonte er auch, dass Art Brut jenseits kultureller Normen nicht automatisch identisch mit psychopathologischen Schöpfungen ist: "Wir sind der Ansicht, dass die Wirkung der Kunst in allen Fällen die gleiche ist, und dass es ebenso wenig eine Kunst der Geisteskranken gibt wie eine Kunst der Magenkranken oder der Kniekranken."

Ich schließ mit einem Zitat eines bisher unbekannten Verfassers, vielleicht ist es ja Braebys, jedenfalls könnte es von ihm sein:

„Ihr habt alle Zeit der Welt. Die Frage ist nur, wie viel Zeit die Welt noch Hat“

Alice Hoffmann